Erdbeben

Am 25. April 2015 gab es in Nepal ein Erdbeben der Stärke 7,8 mit einem fast gleich starken Nachbeben am 12. Mai. Bei den Beben kamen knapp 9000 Menschen ums Leben, 25.000 wurden verletzt und bis zu 3 Millionen Menschen haben ihre Häuser verloren.

Von 26. Mai bis 14.06.2015 bin ich nach Nepal gefahren und habe Chepel und alle umliegenden 9 Dörfer sowie Kathmandu und die benachbarte ehemalige Königsstadt Bhaktapur besucht, um mir ein eigenes Bild von der Zerstörung und der Lage vor Ort zu machen. Unten findet sich in umgedrehter chronologischer Reihenfolge mein Reisebericht.

Alle Bilder sind selbst aufgenommen in Chepel, der Umgebung und in Kathmandu.

 

 

 

Zusammenfassung unserer Aktivitäten nach dem Erdbeben

Akuthilfe (innerhalb der ersten 4 – 6 Wochen)

Bereitstellung von hochwertigen Planen und verzinkten Blechen zum Bau semipermanenter Unterkünfte/Behausungen, die dem Monsunregen Stand halten. Die Bleche konnten später beim Wiederaufbau der Häuser als Dach benutzt werden.

Mittelfristige Unterstützung (6 – 12 Monate)

Wiederaufbau der Schule, Bereitstellung neuer Schulmöbel. Hierfür musste die Genehmigung der Regierung abgewartet werden, die auch einen kleinen finanziellen Beitrag von ca 1000 Euro geleistet hat.

Wiederaufbau der Wasserversorgung im Ort Khumlu.

Unterstützung einiger Familien aus Orten außerhalb von Chepel, bei denen z.B. der Versorger der Familie nicht mehr lebt.

Langfristige Maßnahmen zur Einkommenssicherung – siehe bzgl. Umsetzung unter „Projekte“

Aufbau einer Schweinezucht in Chepel und den umliegenden Dörfern mit der Vorgabe, dass von jedem Wurf 2 Ferkel an eine andere Familie weitergegeben werden müssen.

Einrichtung von Schülerpatenschaften für die kostenpflichtige weiterführende Schule ab Klasse 6 (4 Schüler pro Jahr).

Ausbildung von medizinischen Hilfskräften (2 Frauen aus Chepel) für den geplanten Health Post in Chepel.

Aufbau einer Heilkräuterzucht oder anderer Pflanzen zum Weiterverkauf (z.B. Kardamon).

20.06.2015:

Zurück in Deutschland. Eine kleine Zusammenfassung von Erlebnissen und Erkenntnissen, die mir wichtig sind:

Die Menschen in Chepel und der Umgebung:

Da das Beben mittags kurz vor 12 stattgefunden hat, waren viele Menschen schon wieder draußen auf dem Feld,  da traditionell gegen 11 Uhr zu Mittag gegessen wird. Diejenigen, die in ihren Häusern waren, sind schnell ins Freie gerannt, denn die Häuser auf dem Land bestehen ja nur aus einem Wohnraum, da ist man schnell draußen. Und im Freien können einen auf dem Land keine einstürzenden  Häuser oder Mauern treffen.

Viele Menschen lebten aber noch immer und auf nicht absehbare Zeit nachts in ihren Notunterkünften, da ihre Häuser so stark beschädigt waren, dass sie sich nicht trauten wieder einzuziehen. Außerdem gab es noch Wochen später täglich etliche, teilweise starke Nachbeben.

In Kathmandu sah es anders aus, da das große Beben an einem Samstag stattgefunden hat, wo traditionell viele Menschen an den historischen Plätzen wie dem Durbar Square mit seinen Tempeln oder dem Dharara-Turm waren. Dort sind viele Menschen ums Leben gekommen. Wenn das Beben nachts stattgefunden hätte, wäre es allerdings noch weitaus schlimmer gewesen.

 

Die Schule und die Brücke

Die Brücke:

Die Brücke in Chepel stand wohlbehalten und unbeschädigt. Das Fundament war nagelneu, mit gutem Zement gebaut und stabil konstruiert. Die Brücke hatte keinerlei Schaden genommen.

Die Schule:

Das ältere Schulgebäude war zerstört und musste komplett neu gebaut werden. Für den Start des Wiederaufbaus musste die Genehmigung der nepalesischen Regierung abgewartet werden. Es gab Zuschüssen, die sich aber in sehr kleinem Umfang bewegt haben. Daher war der Wiederaufbau der Schule ein großes Projekt für den Verein.

In den Monaten nach dem Erdbeben fand der Unterricht draußen statt. Für die Übergangszeit wurde von der Regierung der Bau eines Bambusgestells mit Planenabdeckung bereitgestellt. Das war aber nur eine Notlösung, denn in diesen Planenunterkünften ist es unglaublich stickig, der Boden wird im Monsun schlammig und weicht völlig auf, und der Regen prasselt mit unglaublicher Lautstärke gegen die Planen.

Nahrung, Wasser, Nachbeben

Gab es genug Nahrung und Wasser?

Auf dem Lande ja. Die Menschen hatten zum Glück weiterhin Mais und Kartoffeln angebaut und es schien auf dem „Friday market“ in Sotang (4 Stunden von Chepel) genug Reis zu geben. Wasser war kein Problem, da die Bäche und Flüsse ja weiterhin Wasser führten und die Zuleitungen größtenteils wieder aufgebaut wurden (kleine schwarze Plastikrohre, die im Winter zufrieren). Nur in dem völlig zerstörten Khumlu war auch die Wasserversorgung nicht mehr vorhanden. Hier hat im weiteren Verlauf der Verein mit großem externen Spendenaufkommen einen Wassertank und eine ca. 1000 m lange Zuleitung mit Einzelverteilung zu den „Häusern“ (Wohnstätten) der Bewohner finanziert (Aufbau des Ganzen wie immer durch die Bewohner selber), so dass jedes Haus wieder Wasser hatte.

Sind die Preise gestiegen?

Ja, für manche Güter schon – für die verzinkten Bleche kann ich es genau sagen. Für diese waren die Preise „nur“ um 40 – 50% gestiegen.

Gab es Nachbeben?

Auch als ich in Nepal war gab es jeden Tag Nachbeben. Allein in den ersten 4 Wochen nach dem 25.4. gab es ca. 400 Nachbeben mit einer Stärke von 4.0 oder mehr – darunter wird nicht gezählt. Es gab eine spezielle App, die anzeigte, wo, wann, mit welcher Stärke und in welcher Tiefe das Nachbeben stattgefunden hatte.

Wie wäre die Situation in Chepel ohne den Verein gewesen?

Ohne die Unterstützung von Friends of Chepel hätte es in Chepel und den umliegenden Ortschaften nur kleine Planen gegeben, die von der Größe her keine ausreichende Abdeckung bieten. Hochwertige verzinkte Bleche hätte es gar keine gegeben.

Ohne die Unterstützung des Vereins wäre nicht in naher Zukunft die Schule wieder ordentlich aufgebaut worden. Und es hätte nicht eine Reihe von Ideen für einkommensbildende Maßnahmen gegeben, die dann auch tatsächlich umgesetzt wurden.

Kleine Anmerkung am Rande: Nepalesen sind nicht die Weltmeister darin Gefühle zu zeigen. Aber als ich ankam, hat mich Karmas sonst sehr zurückhaltende Frau Kandi so lange und so fest gedrückt, dass das ein ganz klarer Ausdruck der Erleichterung und Dankbarkeit für unsere Unterstützung war.

Die Infrastruktur:

Die „Straße“ Richtung Nele Bazaar war frei befahrbar (im Sinne einer Camel Trophy mit einem Jeep). Es waren zwar an einigen Stellen die Reste von Erdrutschen zu sehen, aber diese waren bereits weggeräumt. Mit dem beginnenden Monsunregen war allerdings mit viel mehr Erdrutschen als sonst zu rechnen, da das Erdreich aufgelockert und brüchig war.

Auf einer der großen Zufahrtsstraßen nach Kathmandu waren die Spuren des Erdbebens noch deutlich zu sehen. Teilweise waren die kleinen Gassen in der Stadt selber auch noch aufgerissen. In ganz Kathmandu waren die Abrissarbeiten an zerstörten oder einsturz-gefährdeten Häusern im Gange. Vielmals allerdings durch die Bewohner selber unter abenteuerlichen Umständen, natürlich ohne jegliche Sicherungsmaßnahmen, teilweise durch ganz alte Leute und durch kleine Kinder, die Steine auf die Straße warfen. Es hat mich erschüttert, dass in Kathmandu – und auf dem Land schon gar nicht – keinerlei Helfer aus den großen Organisationen mehr zu sehen waren.

 

Weitere Bilder

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