Das Ausmaß der Sturzflut, die sich am 26.08.2026 im nördlichen Teil von Nepal ereignet hat, ist derzeit noch nicht abzusehen. Neben den immensen menschlichen Tragödien sind unzählige Dörfer weggeschwemmt oder in der Schlammlawine untergegangen, die sich im weiteren Verlauf verhärtet wie Beton. Stark betroffen ist – wie schon nach dem Erdbeben 2015 – der Zugang zur beliebten Trekkingregion von Langtang. Auch der nepalesische Zugang zum heiligen Berg Kailash, den viele Pilger nutzen, ist komplett zerstört. Die Flut hat Nepal von Norden nach Süden durchschnitten. Unzählige Brücken sind zerstört, so auch absolute Hauptverkehrsadern in den Westen. Die Landverbindung von Kathmandu nach Pokhara und den Westteil des Landes ist derzeit komplett unterbrochen. Ebenso sind über 10% der Energieversorgung über Wasserkraftwerke in Nepal zerstört.
Als ein in Heppenheim ansässiger Verein unterstützt Friends of Chepel e.V. seit 14 Jahren eine ebenfalls weit ab und hoch gelegene Region im nepalesischen Himalaya, die aber glücklicherweise ca. 100 km von der jetzigen Katastrophenregion entfernt liegt. Die einzig gute Nachricht ist, dass die Sturzflut weder Chepel noch uns bekannte Trekking- oder Expeditions-Guides getroffen hat. Anders als nach dem schweren Erdbeben in 2015 blieb Chepel dieses Mal verschont, lediglich die Zufahrtswege nach Chepel sind nun erschwert.
Als Vorsitzende des Vereins bin ich persönlich äußerst betroffen, auch deshalb, weil ich die Region um den Trishuli-Fluss gut kenne. 2011 habe ich an genau diesem Fluss eine Nacht mit meinen Kindern gezeltet, im Ort Syabru Besi, der nun weitgehend nicht mehr existiert. Auch 2019 war ich wieder in der Region. Ich habe also ein sehr genaues Bild davon, was zerstört wurde, wie die Menschen dort leben bzw. lebten, wie ihre Häuser aussehen, wie es dort riecht und welche Geräuschkulisse es gibt. Zudem kenne ich ein Ehepaar, das auf dem Weg zum heiligen Berg Kailash genau an dem Grenzübergang übernachtet hat, der so massiv durch die Springflut zerstört wurde. Am Tag der Katastrophe haben sie gegen 6 Uhr morgens das Hotel verlassen. Das Hotel existiert nicht mehr. Das Ehepaar steckt nun etwas oberhalb des Grenzübergangs fest, aber sie leben.
Einzelschicksale und Kenntnis der Gegend machen einen in solchen Situationen immer noch betroffener. Aber angesichts der Bilder und Videos kann sicher jeder nachvollziehen, welches Unglück über diese Menschen hereingebrochen ist, die nur ein friedliches und fleißiges Leben in den Bergen des Himalayas führen wollen. Die Zerstörung der Infrastruktur wirft das Land um Jahre zurück.
Wir möchten daher einen Spendenaufruf starten und bitten um Spenden mit dem Vermerk „Sturzflut Nepal“.
Friends of Chepel e.V. wird die Spenden nicht direkt einsetzen können, denn die nepalesische Regierung hat ein Sammelkonto eingerichtet. Der vom Büro des Premierministers und des Ministerrats verwaltete Katastrophenhilfefonds des Premierministers (Prime Minister’s Disaster Relief Fund) ist der offizielle Mechanismus der Regierung zur Weiterleitung von Hilfs- und Wiederaufbaugeldern an betroffene Familien. Laut Gesetz darf der Fonds ausschließlich für Rettung, Behandlung, Soforthilfe, Wiederaufbau und die Wiederherstellung der Infrastruktur verwendet werden, jedoch nicht für Verwaltungskosten. Darüber hinaus werden seine Konten auditiert.
Nach Rücksprache mit nepalesischen Freunden kann ich versichern, dass der Fonds absolut seriös ist. Als Verein Friends of Chepel e.V. sind wir außerdem eng mit anderen NGOs und Rotary Clubs vor Ort in Kontakt um Spendengelder koordiniert an den Katastrophenhilfsfonds weiterleiten zu können.







